Wer über Müllverbrennung schreibt, schaut meist auf Bunker, Ofen und Rauchgasreinigung. Die Schlacke gilt als der unspektakuläre Teil: ein grauer Rest, der hinten aus der Anlage kommt und irgendwo abgelagert werden muss.
Im September stand ich in Hinwil im Zürcher Oberland in einer Halle mit roten Stahlträgern, gelben Siebkästen und blauen Absaugrohren und hatte eine Handvoll von diesem Rest in der Hand. Nur dass er nicht mehr grau war: Kupferdrähte, messingfarbene Stücke, silbrige Klumpen, eine Schraube. Und sogar ein bisschen Gold. Alles aus der Schlacke.
Was in der Schlacke steckt
Die ZAV Recycling AG bereitet in Hinwil die trocken ausgetragene Schlacke mehrerer Schweizer Kehrichtverwertungsanlagen auf, zusammen rund ein Viertel der Schweizer Schlacke. Daraus holen die Schweizer unter anderem Eisen und Stahl, Aluminium, Silber und Gold.
Um an das wertvolle Edelmetall zu gelangen, ist Präzisionsarbeit gefragt. Denn viel Gold steckt nicht im Restmüll – nicht einmal in der Schweiz. Erst das Feuer konzentriert das Metall, dann übernehmen Magnete, Siebe, Wirbelstromabscheider und Trenntische. Wie das im Einzelnen funktioniert und warum in der Halle bewusst kein Schredder steht, erzähle ich in der Titelgeschichte.
Der Trick passiert schon am Ofen
Am meisten beschäftigt hat mich nach dem Besuch, dass sich der Erfolg der Anlage gar nicht in der Aufbereitungshalle entscheidet, sondern schon am Ofenausgang. Die große Mehrheit der Verbrennungsanlagen weltweit lässt die Schlacke in ein Wasserbad fallen. In Hinwil kommt sie trocken heraus. Warum das den Unterschied macht und welchen Preis es hat, steht im Heft.
Was nicht glänzt
Eine reine Erfolgsgeschichte ist es aus Sicht der Kreislaufwirtschaft trotzdem nicht. Denn mit dem mineralischen Anteil geht nach wie vor ein Großteil der Schlacke auf die Deponie, und die Deponiekosten steigen jedes Jahr. Dazu kommen Lithium-Akkus im Hausmüll, Katzenstreu in der Schlacke und die offene Frage, ob der Weg über den Ofen bei Elektronik mehr Metall zurückholt als das Schreddern. Auch darüber haben wir in Hinwil gesprochen.
Was sonst im Heft steht
Die Titelgeschichte ist nicht das einzige Thema der Ausgabe 5/26. Außerdem im Heft:
- Agenda: die Warnung vor einem Preisverfall bei Schrottexporten und wie sich Entscheidungen der EU auswirken könnten.
- Recycler: Wenn künstliche Intelligenz zur Waffe wird. Wie Recyclingunternehmen zu Zielen von Kriminellen werden.
- Special: Rohstoffe aus Kunststoffabfällen und die Frage, wie Rezyklate die Industrie versorgen können.
Wo es das Heft gibt
- Die Ausgabe 5/26 gibt es als E-Paper auf umweltwirtschaft.com,
- ein Abo im Shop des Deutschen Fachverlags.
- Aktuelle Nachrichten aus der Kreislaufwirtschaft gibt es laufend auf umweltwirtschaft.com.
Goldbarren habe ich in Hinwil übrigens keine gesehen. Das Edelmetall verlässt die Anlage versteckt in rund 600 Tonnen Metallkonzentrat und wird erst in der Hütte zu reinem Gold.

